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Segel anders setzen

Dienstag, 22. März 2016

Der Ernst-Bloch-Chor mit viel Utopie im LTT. „Wann, wenn nicht jetzt? Wo, wenn nicht hier? Wer, wenn nicht wir?“ Der Rio-Reiser-Opener, mit dem der Ernst-Bloch-Chor am Sonntagabend in sein Konzert startete, machte bereits mehr als deutlich, wohin die Reise gehen sollte ...

Tübingen. (…) Das Thema Utopie wurde von allen Seiten und in allen Facetten beleuchtet. Weltfrieden, Freiheit und Menschenrechte fanden genauso ihren Platz in diesem programmatischen Konzert wie nachhaltiges Einkaufsverhalten und achtsame Lebensführung. Der Chor schaffte diese Vielfalt auch optisch – nicht nur durch die kunterbunten Hemden, sondern vor allem durch eine sorgsam ausbalancierte Choreographie. (…) An der unglaublich präzisen Artikulation, die nichts unverständlich ließ, kann sich manch anderer Tübinger Chor ein Beispiel nehmen. Die war genauso perfekt wie der Wechsel zwischen lauten und leisen Tönen. Besonders gelungen immer wieder das subito piano und der erstaunlich homogene und kraftvolle Klangkörper in den leisen Passagen. Hier wirkte der Chor besonders eindrücklich. (…)

Anne Tübinger dirigiert straff und konzentriert, ohne viel Aufhebens, beiläufig, aber bestimmt und bringt den Chor dazu, eine Spannung zu halten, die in der Lage ist, die Grenzen zwischen dem weltmusikalischen Wohlklang eines israelischen Volksliedes und dem Gute-Laune-Sound einer Fernsehshow auszuloten (…)

Wohltuend subtil in dieser ganzen Utopieprogrammatik setzten Dorothea Tübinger am Saxofon und Joni Tauscher an der Gitarre mit zwei Instrumentalstücken sehnsuchtsvolle Klangbögen und filigrane Kontraste. Auch die fantasievolle und komplexe Klavierbegleitung des syrischen Musikers Bland Malla, der für den Chor ein arabisches Friedenslied komponiert hatte, sorgte für frischen Wind auf der Reise nach Utopia. (…)

Andrea Bachmann, Schwäbisches Tagblatt, 22. 3. 2016


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